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Los geht's

Pop und Religion

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Weihnachten ist ein religiöses Fest - ist Musik eine religiöse Erfahrung? Das Übersinnliche, das Sinnstiftende, die Gemeinschaft, die Menge, die einem Ritual beiwohnt - Gemeinsamkeiten gibt es viele.

In Songtexten, auf Covern und in Videos werden religiöse Symbole genutzt. Chorgesang ist immer willkommen, Gospelmusik erfährt gerade wieder ein Hoch im HipHop....
Also ist Musik Religion? Oder nur so etwas ähnliches?

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Hans Nieswandt - DJ, Produzent und Musikjournalist

Über die Bedeutung des Fanclubs

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Fans von Justin Bieber werden zu "Beliebern", Taylor Swift-Anhänger zu "Swifties" und die Anhänger der Punk-Rock-Band Turbnonegro tragen uniforme Jeansjacken mit ihrem Namen drauf. Fanclubs bedeuten nicht nur Starverehrung, es geht auch um ein Gemeinschaftsgefühl.

Das wird auch beim Konzertbesuch deutlich: Die Fans pilgern zur Halle, kennen jeden Song und feiern den Star teils wie einen Heiligen. Licht und Sound setzen die Protagonisten auf der Bühne zudem perfekt in Szene. Man könnte sich fragen: Wo ist eigentlich der Unterschied zum Gottesdienst? Diese Frage stellt sich auch DJ, Journalist und Dozent Hans Nieswandt.

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Hans Nieswandt, DJ, Produzent und Musikjournalist

Über die Anfänge der Club- und DJ-Bewegung

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Nicht nur Rock- oder Popstars können Ikonen sein. Eigentlich ist es doch vor allem das Bild des DJs, der allein über einer riesigen Menge thront, das uns an die Kirche und den Gottesdienst erinnert. Er wirkt fast wie ein Erlöser, wenn die ganze Menge nach einem Downbreak zu Jubeln anfängt. Der DJ kann mit der Art und Weise, wie er Musik macht und kombiniert, extreme Emotionen auslösen, die alle Anwesenden teilen. Dieser Zusammenhang von DJ, Club, Kirche und Messe ist laut Hans Nieswandt nicht zufällig:

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Kanye West - I Am A God

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Unbekannte haben eine Kanye-West-Religion gegründet: Yeezianity. Andere werfen dem Rapper Größenwahn und Blasphemie vor. Mit Religion spielt Kanye immer wieder, vor allem auf der Platte "Yeezus" (2013). In Songs wie "I Am A God" und auch auf der Tour zur Platte gab es immer wieder Parallelen zur Religion: zwölf Tänzerinnen in weißen Gewändern, die an die zwölf Jünger erinnern, sowie eine Gliederung der Show in Bibelzitate.

Für Kanye war die Show “wie ein Gemälde, eine Skulptur, wie eine bewegende Oper. Sie ist ein Schauspiel und eine Message“. Während des Songs "Jesus Walks" kam schließlich ein als Jesus Verkleideter auf die Bühne...

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Lady Gaga - Judas

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Lady Gaga nutzt in ihrer Musik auch religiöse Elemente. Der Song "Judas" ist vom Apostel Judas Iskariot beeinflusst: Gaga singt von einem Typen, den sie Judas nennt, weil er fremdgeht. Sie liebt ihn aber trotzdem. Es geht um Gut und Böse, Vergebung und Verrat.

Im Musikvideo fahren zwölf Apostel zu einem Bikerclub, und Judas wird im Club in eine Schlägerei verwickelt. Maria Magdalena (Lady Gaga) will Jesus von Judas‘ Verrat erzählen, erliegt aber Judas‘ Reizen. Am Ende wird Jesus von seinen Anhängern verraten und Maria Magdalena von der Menge gesteinigt.

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Xavier, Justice

Wie es zu dem Kreuz-Symbol kam und welche Rolle es in der Band hat.

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Das erste Mal hat die französische Band Justice das Kreuzsymbol auf dem Cover ihrer Debüt-Single “Waters Of Nazareth” genutzt. Dann kam eines zum anderen. Bewusst sei die Entscheidung nie gewesen, aber bis heute ziert eben jenes Kreuz, das anfangs nur das "T" im Bandnamen ersetzen sollte,  jedes Cover der Band.

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Justin Vernon, Bon Iver

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Justin Vernon alias Bon Iver nutzt auf seiner aktuellen Platte "22, A Million" diverse religiöse Symbole. Das verrraten schon Titel wie "666 (upsidedowncross)" und "33 'GOD'". Auch ein Bibelpsalm wird zitiert: "Why are you so far from saving me?" Zudem: Jesus ist mit 33 gestorben, Bon Iver hat den Song 33 Tage vor Album-Veröffentlichung geteilt - und er ist 3:33 Minuten lang.  
 
Bon Iver ist vom Daoismus fasziniert. Das ist eine chinesische Philosophie und Religion. Gegensätze spielen dort eine Rolle und Zahlen. Die Zahl 2 steht für die Dualität und findet sich in dem Song "22 (Over Soon)" wieder. Er hat aber auch noch eine andere Verbindung zur Zahl 22, sagt er:

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Symbol Nr. 1:
Hier wurde die Weltordnung in zwei Teile geteilt. Dazwischen der Mensch, der „kopfsteht“. Die Halbkreise und die zwei Seiten deuten auf die daoistische Dualität hin. Die Buchstaben ergeben ‚math‘ und verweisen auf die oft genutzten Zahlen.
Nr. 2:
Das kreisförmige Yin und Yang wird als Quadrat dargestellt und statt Schwarz/Weiß werden die Farben Orange und Gold genutzt. Die üblichen Punkte wurden durch ein „i“ ersetzt, das für "Ich" stehen könnte. Links das Zeichen des ersten Albumtracks, rechts das des Letzten: Anfang und Ende der Platte werden sichtbar.
Nr. 3:
Die Straße deutet auf ein Hauptelement des Daoismus hin: „Dao“ – der Weg. Die Flügel erinnern an das daoistische Gleichnis „der Schmetterlingstraum“: Es geht um die Verwechslung von Traum und Realität. Die Kreuze und die Friedenstaube verweisen auf das Christentum.




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Nr. 4:
Die 7, eine biblische Zahl: Es gibt 7 Todsünden, 7 Sakramente und in 7 Tagen schuf Gott die Welt. Die 777 steht für die Vollkommenheit Gottes.
Nr. 5:
Ein Peace-Zeichen wird durch zwei Figuren zusammengehalten. Dualistische Deutung: Die Beziehung zwischen dem Ich und dem Anderen - auch ein Thema der Platte.
Nr. 6:
Die Yr-Rune steht für die Weiblichkeit und den Baum ‚Eibe‘ – der heiligste Baum der Germanen.

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Nr. 7:
Dieses Symbol ist an Yin und Yang orientiert, statt zwei treten hier aber drei Bereiche auf: Eine Dreiheit, die daoistische Vollkommenheit.
Nr. 8:
Das erinnert an die „Ente-Hase-Illusion“. Die beweisen soll, dass unsere Wahrnehmung von unseren Augen UND unseren Gedanken abhängt.
Nr. 9:
Bei den Kelten steht die im Uhrzeigersinn verlaufende Spirale für den Beginn, Wasser und Kraft.




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Lana Del Rey - Religion

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Lana Del Rey ist zwar katholisch aufgewachsen, ihr Verständnis von Gott aber komme durch eigene Lebenserfahrungen. Mit 18 ist sie nach New York gezogen um Musikerin zu werden - eine harte Zeit voller Entbehrungen, sagt sie. Ihre einzige Rettung sei es gewesen, im Bett zu liegen und zu beten.

Lana Del Rey geht nicht wöchentlich in die Kirche, sie glaubt aber, dass es eine universelle, göttliche Kraft gibt, an die man sich wenden kann, wenn man Hilfe braucht. "Mein Zugang zur Religion ist wie der Zugang zu meiner Musik – Ich nehme mir was ich will und lasse den Rest zurück."

2015 hat sie den Song "Religion" veröffentlicht: Da vergleicht sie eine Beziehung mit der Andacht und Hingebung eines Gläubigen zu seiner Religion.

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Arcade Fire - Neon Bible

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Arcade Fires Album „Neon Bible“ (2007) wurde zum größten Teil in einer Kirche im kanadischen Farnham aufgenommen. Dadurch wollte und konnte die Band eine besondere Atmosphäre einfangen, wie Band-Kopf Win Butler erklärt: "Kirchen sind schon dazu gestaltet, Atmosphäre zu haben. Wenn du je bei einem katholischen Gottesdienst warst, ist das eine Laser-Licht-Show. Es ist sehr dramatisch, theatralisch und die Outfits sind zum beeindrucken da.“

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Prof. Dr. Christa Georg-Zöller, Religionspädagogin

Warum Marilyn Manson funktioniert

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Marilyn Manson schmückt keine Weihnachtsbäume, er fackelt sie lieber ab. Vor allem im Jahr 1996 inszenierte er sich als das Gegenteil des Christen: den Antichristen. So hat er die christliche Gemeinde in den USA ganz bewusst gegen sich aufgebracht und wurde mit der Platte "Antichrist Superstar" so richtig bekannt. All das versteht Marilyn Manson wohl gemerkt als Teil seiner Kunst: "Ich respektiere Menschen, die an etwas glauben. Ich mag keine Menschen, die andere wegen ihres Glaubens beschimpfen."

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Frank Ocean - Bad Religion

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Frank Ocean beschreibt im Song "Bad Religion" die Verzweiflung eines schwarzen, homosexuellen Mannes, der mit einem Taxifahrer über die unerwiderte Liebe zu einer Person redet. Der Taxifahrer antwortet mit "Allahu Akbar" - "Gott ist größer." Zwar gibt der Ich-Erzähler zu, dass ihm Beten vielleicht nicht schaden würde, sobald ihn aber etwas in die Knie zwinge, halte er es für eine schlechte Religion. "Bad Religion" ist ein Klagelied gegen Selbstzweifel, Vereinsamung und gegen die überholten Moralvorstellungen der Kirche.

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Mit Religion verbinden wir ja nicht nur Götter und Glauben, sondern auch die Kehrseite, das Böse. Damit spielte die Musikszene auch schon immer. In den 80ern wurden auch den Rolling Stones mit "Sympathy For The Devil" oder Led Zeppelin in "Stairway To Heaven" der Bund mit Satan vorgeworfen. Da wurden dann sogar Platten rückwärts abgespielt, um mögliche satanistische Codes zu entlarven.

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Prof. Dr. Christa Georg-Zöller, Religionspädagogin

Kommt die Gewalt aus der Musik oder aus der Überzeugung?

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In den 90ern kam das Satanismus-Thema dann in Norwegen wieder auf. Nicht nur die Texte waren in Teilen des Black Metal gewaltverherrlichend, sondern auch die Musiker. Ein Teil der Szene ging sogar so weit, Kirchen anzuzünden. Beteiligt waren Burzum-‚Sänger‘ Varg Vikernes und Øystein ‚Euronymus‘ Aarseth, Sänger der Black Metal Band Mayhem.

In der Dokumentation  "Until The Light Takes Us" wird die damalige schlimme Eskalation der norwegischen Black-Metal-Szene nacherzählt. Religionspädagogin Prof. Dr. Christa Georg-Jöller zu dem Thema Black Metal und Gewalt:

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Ein gutes Beispiel für die Verknüpfung von Musik und Religion ist Rastafari. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Glaubensrichtung ist Bob Marley, der in Jamaica sogar als Prophet angesehen wurde. Er hat die Rastafari-Message in seinen Songs weiterverbreitet und kein Konzert ohne Rastafari-Ritual begonnen.

Neben Marihuana werden im Rastafari Reggae-Musik, Dreadlocks und die Kunst als religiöse Glaubensinhalte angesehen. Genau wie die Suche nach einer eigenen Identität: Dem schwarzen Bewusstsein. Entstanden ist die Religion Anfang der 1930er Jahre in Kingston, Jamaikas Hauptstadt.

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