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Los geht's

20 Jahre Radiohead - OK Computer

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Das dritte Album von Radiohead wurde zu einem Meilenstein der Musikgeschichte, weil es für eine Weiterentwicklung der sonst so rückwärts-gerichteten Rockmusik steht: Auf "OK Computer" mischen sich Elektronik-Flächen, Hip-Hop-Beats und Jazz - "OK Computer" ist progressiv, ein Bastelwerk, aber trotzdem organisch und größtenteils live eingespielt.

Und: "OK Computer" ist, obwohl es Art Pop ist, wahnsinnig emotional. Es hat der alternativen Musik eine melancholische Stimmung zurückgegeben, die in den Jahren nach dem Erscheinen von Travis oder Coldplay weitergeführt wurde und Bands wie alt-J, Cigarettes After Sex und Grizzly Bear inspiriert hat. Nebenbei nur drei von mehreren Künstlern, die uns ihren Lieblingssong auf "OK Computer" verraten haben.

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Royal Blood

Mike: "'Airbag', der hat mich total gekriegt. Wegen der Gitarre und dem Cello. Was denkst Du über 'OK Computer', Ben?" Ben: "So alt wie es eigentlich ist – es ist immer noch wichtig." Mike: "Genau, es könnte morgen rauskommen und wäre immer noch ein Meilenstein, es ist nicht gealtert."

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"Airbag" ist ein bemerkenswerter Einstieg, für eine Band, die bis dahin als Rockband galt. Denn auf "Airbag" haben Radiohead Phil Selways Drumparts gesamplet und neu zusammengeschnitten. Inspiration dabei war DJ Shadow, auf den die Band damals stand. Inhaltlich verarbeitet Thom Yorke einmal mehr einen Autounfall von 1987, bei dem er und seine damalige Freundin fast ums Leben gekommen wären.

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Kyle von Portugal. The Man

"Ich würde 'Paranoid Android' wählen. Der ist beeinflusst von 'Happiness is a Warm Gun' von den Beatles. Bei beiden Songs finde ich cool, dass sie aus drei verschiedenen Parts bestehen, die zusammen funktionieren, obwohl sie eigentlich gar nicht zusammenpassen. Hier haben die Beatles Radiohead inspiriert."

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Über 6 Minuten lang, keine klare Hook - damals war es ein ganz schönes Wagnis, den Song als Single rauszubringen. Thom Yorke hat 30-40 Versionen von ihm geschrieben. In der finalen Version scheint nochmal sein damaliges Lieblingsbuch durch, "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams. Schon der Albumtitel "OK Computer" ist einer Zeile des Buches entnommen. Im Song setzen Radiohead einer Hauptfigur ein Denkmal, dem paranoiden Androiden Marvin.

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"Subterranean Homesick Alien"

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Geradezu außerirdisch klingt dieser Song, in dem Radiohead ihre Vorlieben für elektronische Soundflächen von Film-Komponist Ennio Morricone und psychedelischen Jazz von Miles Davis gegenüberstellen. Man schwebt in andere Sphären, wie der Protagonist des Songs, der sich beruhigen kann, weil er weiß, dass seine irdischen Ängste relativ unwichtig sind, wenn man sie aus dem Weltall betrachtet.

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Greg von Cigarettes After Sex

"Es gibt ja Platten, die Dich verändern, wenn Du sie das erste Mal hörst. Und Du kannst Dich an den genauen Moment erinnern, wo Du einen Sound auf dem Album gehört hast, nachdem nichts mehr so war wie vorher. Ich habe mir 'OK Computer' gekauft, mit nach Hause genommen, mich auf das Bett meines Bruders gesetzt und die CD abgespielt. Dann kam ich zu 'Exit Music', bei dem ganz am Ende der verzerrte Bass einsetzt. Ich kann mich auch heute noch daran erinnern, wie mich das in eine andere Dimension befördert hat."

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Eine von zwei Auftragsarbeiten, die Radiohead auf OK Computer gepackt haben. Regisseur Baz Luhrmann wollte einen Song für die dramatische Schlussszene seiner Neuverfilmung von Romeo und Julia mit Leonardo Di Caprio. Thom Yorke hat sich dafür an seine Kindheit erinnert: Als 13-Jähriger hatte er eine frühere Verfilmung von Romeo und Julia gesehen und sich die Augen ausgeheult bei der gleichen Szene.

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Ed von Grizzly Bear

"Der Song, der mich gekriegt hat war 'Let Down'. Die lokale Radiostation in meiner Heimat hat 'Let Down' immer gespielt. Ich hab mich deswegen in ihn verliebt und von da aus bin ich tiefer in das Album eingetaucht. Für mich steht das Album für meine letzten High-School-Jahre."

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In diesem Ruhepol des Albums geht es um den mobilen Menschen und die Geschwindigkeit, mit der er sich fortbewegt - in Autos, Zügen und Flugzeugen. Inspiriert von dem anstrengenden Tourleben, das Radiohead vor der Albumproduktion erlebt haben.

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Gus und Joe von alt-J

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Eine schöne Klavierballade, die dann mit Noise-Effekten ins Psychedelische abdriftet. Das Abdriften haben Thom Yorke und Produzent Nigel Godrich nach einer alkoholreichen Nacht im Alleingang erledigt, Pate stand hier "A Day in the Life" von den Beatles. Der Songtitel ist entstanden aus einem Spruch, den sich die Bandmitglieder immer zuwarfen, wenn ein anderer sich schlecht benommen hatte: "Die Karma Polizei wird Dich kriegen!". Gekriegt hat der Song in jedem Fall alt-J, vor allem aber das verstörende Video. Die Idee hatte Regisseur Jonathan Glazer ursprünglich für den Marilyn-Manson-Song "Long Hard Road Out Of Hell".

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Radiohead - Karma Police
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"Fitter Happier"

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1997 waren Internet und Handys noch brandneue Spielzeuge. Und Radiohead haben diese Stimmung des technologischen Aufbruchs gespürt und aufgenommen. Mit viel Skepsis und Angst, aber auch mit Faszination. Die Texte sind nerdig bis verstörend, am eindeutigsten wohl auf "Fitter Happier", der uns von den Vorzügen eines produktiven Lebens erzählt. Die Computer haben die macht übernommen - und auch das Mikrophon von Thom Yorke. Trotz der Monotonie der Computerstimme hört man den beißenden Sarkasmus heraus. 

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"Electioneering"

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Es sollte für lange Zeit der letzte pure Rocksong sein, den Radiohead geschrieben haben. Wohl auch deswegen ist er bandintern sehr unbeliebt. Wir finden etwas zu unrecht, denn gerade das Intro-Gitarrenriff ist sehr catchy und zeugt durch seinen orientalischen Klang von einem offenen Blick über den Tellerrand des Rock hinaus.

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Jonas von OK KID

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"Climbing up the Walls" ist bis heute noch verstörend. In den Lyrics geht es um Dämonen, vor denen man sich im Keller versteckt, obwohl man aus Filmen weiß, dass das niemals gut ausgehen kann. Die Streicher-Arrangements lassen schon Jonny Greenwoods zukünftige Soundtrackarbeiten für Paul Thomas Anderson erahnen.

"Climbing up the Walls", nur ein düster-melancholischer Song von "OK Computer", der Jonas von OK Kid sehr gut gefällt. Er erzählt uns, warum ihn und seine Bandkollegen das Album so sehr bewegt hat, dass sie sich danach benannt haben.

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Charlotte Gainsbourg

"Radiohead sind eine meiner Lieblingsbands. Da fällt es schwer, sich einen Song auszusuchen. Ich denke, ich nehme 'No Surprises'. Es ist schon merkwürdig, wie fast jedes ihrer Lieder mich in einen bestimmten Gefühlszustand versetzt, sehr melancholisch und schwermütig, aber ich kann dennoch nie aufhören, sie zu hören."

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Der erste Take des ersten Songs, den Radiohead am ersten Tag der OK Computer Sessions aufgenommen haben. Wunderschön, fast wie ein Schlaflied, aber vom Text her tieftraurig. Es geht um ein langweiliges Leben ohne Perspektive, in einem kapitalistischem Staat, der sich nicht für die Menschen interessiert.

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Radiohead - No Surprises
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"Lucky"

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Schweben im Nichts - dieser Radiohead-Zustand findet in "Lucky“ seine Perfektion. Spontan für den Benefiz-Sampler "Help" für Kriegskinder aufgenommen, gab "Lucky“ lange vor den anderen "OK Computer"-Tracks schon die Richtung vor. Auch weil zum ersten Mal Nigel Godrich als Produzent im Studio war - heute gilt er als der 6. Radiohead. Als wüsste er nicht, wie wichtig das alles noch wird, bedient sich Gitarrist Jonny Greenwood bei Björks dramatischer "Isobel“-Melodie, und der Rest der Band spielt so federleicht, dass einem Angst und Bange wird, angesichts all der Schwere des Inhalts.

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"The Tourist"

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"Hey Man, Slow Down" - Radiohead versuchen mit diesem Slowcore Space Walzer den Trip des 'Touristen' zu entschleunigen - spannend wie sich hier langsames Songtempo und rasanter Text gegenüberstehen. "The Tourist" fühlt sich wie ein Außenseiter in einer fremden Welt. Thom Yorke hat die Lyrics dafür nach einem Vorfall in Deutschland geschrieben, als er allein von einem Hund angebellt wurde.  

Am Ende von "OK Computer“ steht eine kleine Glocke, mit einem Klang, den wir heut nur noch kennen als Signal für eine ankommende Nachricht auf dem Smartphone. Passender Abschluss für ein Album, auf dem Radiohead den technischen Fortschritt kritisch beobachten.

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"Polyethylene Pt. 1&2" - "Lull" - "A Reminder" - "Palo Alto"

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Für Radiohead Fans ging es weiter: Versammelt auf den 4 Singles von "OK Computer" und auf der EP "Airbag - How Am I Driving?" sind einige B-Seiten. Darunter folgende Highlights:

Das epische "Polyehtylene Pt. 1&2" schließt an den technologischen Überbau des Albums an. Künstliche Dinge scheinen auf einmal wichtiger als die Verbindung zur Natur.

Das entspannte "Lull" lässt sich genauso ins Deutsche übersetzen - ein positiv-klingender Song über Lethargie.

Das zurückhaltende "A Reminder" ist ein Song darüber, seinen Prinzipien treu und auch im Alter cool zu bleiben.

Das kritische "Palo Alto" ist ein Indierocker über die Stadt südlich von San Francisco, mitten im Silicon Valley, Heimat der weltweiten Tech-Branche.

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20 Jahre hat es gedauert, bis Radiohead diese Songs aus den "OK Computer"-Aufnahmesessions rausbringen. In Fankreisen werden diese teilweise schon kultisch verehrt, jetzt gibt es sie auf der Deluxe-Version "OKNOTOK".

"I Promise" - ein schöner Akustiksong, bei dem es darum geht, alle Gegenwehr aufzugeben und nicht mehr davonzulaufen.

"Man of War" - eine Anti-Hymne gegen politische Tyrannen. Scheint ein ewiges Thema zu sein.

"Lift" - sehr poppiger Song, den Radiohead deswegen auch genau nicht auf das ursprüngliche Album packten, er hätte laut Gitarrist Ed O'Brien zu sehr vom Gesamtkonzept abgelenkt. Die Fans, die ihn vorher auf Tour schon live gehört hatten, dürften enttäuscht gewesen sein.

Ein anderer heiliger Gral der Radiohead-Nerds aus dieser Zeit wartet übrigens immer noch auf seine reguläre Veröffentlichung: "Follow Me Around" aus der Tour-Doku "Meeting People Is Easy". Vielleicht ja dann in fünf Jahren.

Radiohead - I Promise
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